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Die Zuckerindustrie und ihre Komplizen bei „hart aber fair“

Ein Millionen-Publikum verfolgt montags die ARD-Sendung "hart aber fair". Wurde die Sendung am 29.08.2016 ihrem Anspruch "hart aber fair" gerecht?

Bei der ARD-Sendung „hart aber fair“ am 29.08.2016 waren eingeladen:

Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker 

Alfred Hagen Meyer, Anwalt für Lebensmittelrecht 

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt

Fernsehkoch Tim Mälzer     und

Silke Schwartau, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

Die Sendung am 29.08.2016 lautete:

„Der Feind in meinem Essen – wie ungesund sind Zucker und Co.?“

Moderation: Frank Plasberg

Dieser fragte gleich zu Anfang: Müssen wir uns damit abfinden, wie viel versteckten Zucker uns die Industrie unterjubelt?

Wer die Redebeiträge der Podiumsmitglieder kritisch verfolgt hatte, konnte diese Frage nur mit JA beantworten.  JA, solange der Zucker- und Nahrungsmittelindustrie es gelingt, dieses Verwirrspiel um den (Fabrik)Zucker am Laufen zu halten, müssen wir uns damit abfinden, dass uns die Industrie (Fabrik)Zucker in jeglicher Form unterjubeln kann.

Politisch dagegen zu halten ist offensichtlich zwecklos. Wie offenbarte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer: Diejenigen, die entscheiden sind nicht gewählt, und diejenigen die gewählt sind, haben nichts zu entscheiden.

 

Dieses Verwirrspiel muss aus wirtschaftlichen Gründen beibehalten werden, denn nur so funktioniert das (Fabrik)Zucker-Geschäftsmodell. Und dieses Verwirrspiel verfing nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Podiumsteilnehmern, die eigentlich gefordert gewesen wären, sich kritisch zu äußern.

Gewiss, das Verwirrspiel um den (Fabrik)Zucker am 29. Aug. 2016 bei der Sendung „hart aber fair“ hatte so seine „Glanzpunkte“. Es ging z.B. um die süßen Minitäfelchen mit dem Produktnamen „Schulstoff dextro energy“. Die Presse-Erklärung für „Schulstoff“ des Herstellers hatte es richtig in sich: 

„Zum einen unterstützt der clevere Produktname den „Coolness-Faktor“ des Produkts zum anderen ist der fruchtige und prickelnde Geschmack der Minitäfelchen wohl verantwortlich dafür, dass Schulkinder ab der fünften Klasse bis hin zum Abitur „Schulstoff“ als eine Art Geheimtipp handeln. Für sie hat „Schulstoff“ ein Hauch von Doping – damit von etwas Verbotenem und Reizvollem.“

In 100 g der Süßigkeit „Schulstoff“ sind 77 g Fabrikzucker enthalten. Ein echter Schadstoff mit Suchtpotenzial. Natürlich stellt sich doch gar nicht mehr die Frage, ob man den Hersteller von „Schulstoff“ als  Dealer und Anfixer bezeichnen kann! Es ist doch bekannt, dass das Geschäftsmodell der Zucker- und Nahrungsmittelindustrie über Leichen geht!

Aber nicht nur Schulkinder, sondern auch die Kleinsten sollen nicht verschont bleiben. Da wird gesüßter Joghurt für kleine Kinder mit Kinderfilmheldin Elsa angeboten. Ganz zu schweigen das Party-Getränk für Kindergeburtstage: Eine extra bunt gestaltete Sektflasche namens „Robby Bubble“ – natürlich mit  „Spaßfaktor“ für die Kleinen.

Vielleicht sollen sich die Kleinen schon mal an das „Plopp“ beim Öffnen der Kindersektflasche gewöhnen. Die Frage von Moderator Plasberg war berechtigt: Welches ist der Weg, wird mein Kind Diabetiker oder Alkoholiker?

Es wurden noch weitere haarsträubende (Fabrik)Zuckerprodukte vorgestellt.

Die Vertreter der Zuckerindustrie wiegelten ab. Alles völlig harmlos, die Kinder bekommen so etwas ja nicht täglich. Und ab und an ist es für Kinder ja nicht schädlich, wenn sie so etwas bekommen. Es liegt ja in der Eigenverantwortung der Eltern.

Zwischendurch platzte Fernsehkoch Tim Mälzer der Kragen. Die vereinigte Dreistigkeit der Zuckerlobbyisten ging ihm offensichtlich unter die Haut. Als Familienvater wehrte er sich gegen die Kaltschnäuzigkeit von Alfred Hagen Meyer, Anwalt für Lebensmittelrecht, der den Pressetext für „Schulstoff dextro energy“ nicht nur als legitime Werbung verkaufte, sondern auch noch als gelungen betrachtete („Wir haben alle gelacht“).

Landwirtschaftsminister Schmidt tat dann so, als ob er „Schulstoff“ tatsächlich etwas grenzwertig fände. Es handele sich um Zucker in Reinform. Doch dann stimmte er den Vertretern der Zuckerlobby zu: Es kommt auf die Dosierung an. Die Dosierung, ein klassisches Argument der Zuckerindustrie!

Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der wirtschaftlichen Vereinigung Zucker ging die (Fabrik)Zucker-Diskussion langsam in die falsche Richtung. Vor allem, als die „Zuckersteuer“ vorgeschlagen wurde. Zucker würde jetzt zum alleinigen Sündenbock gemacht. Eine Zuckersteuer würde niemanden schlank machen. Und die Entscheidung, was richtig oder falsch ist, müssten wir schon den Verbrauchern überlassen.

Günter Tissen war vor seiner Berufung als Hauptgeschäftsführer der wirtschaftlichen Vereinigung Zucker Regierungsdirektor im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Seine Argumente, die wir schon zum x-ten Mal gehört haben, lauteten:

  • Zucker an sich kann gar kein Übel sein
  • Balance zwischen Fett, Zucker und Eiweißen, die wir in unserem täglichen Essen haben ist aus dem Lot geraten
  • Wir bewegen uns viel zu wenig
  • Jeder Verbraucher kann im Supermarkt Produkte mit wenig oder viel Zucker kaufen

Auch Alfred Hagen Meyer, Anwalt für Lebensmittelrecht, nahm die Nahrungsmittelindustrie in Schutz. Die Hersteller würden bei den Inhaltsstoffen doch nichts verschleiern. Viele drucken neben der Nährwerttabelle sogar zusätzlich eine Grafik auf die Packung wie viel Zucker, Fett, Brennwert und Salz drin ist. Mit dieser Aussage suggerierte er dem Publikum, dass die Zuckerindustrie doch transparent und kundenorientiert handle.

Keiner bei der „hart-aber-fair-Runde“ war in der Lage, bei den Begriffen wie „Nährwert“ und „Brennwert“ einzuhaken. Stammen doch die Begriffe „Nährwert“ und „Brennwert“ aus der   Klamottenkiste der völlig veralteten Kalorienlehre.  Die Kalorienlehre ist längst überholt, weil nicht mehr die Kalorie eines Nahrungsmittels zählt, sondern nur noch der Vitalstoffgehalt. Die veraltete Kalorienlehre ist aufgrund moderner Ernährungswissenschaft obsolet.

Der Trick bei der Nährwertberechnung ist obendrein, dass die Hersteller die Portionen bei Fertignahrung „klein“ rechnen um den Fabrikzuckergehalt nach außen hin zu minimieren. Die Selbstverpflichtung der Industrie, keine Werbung mehr für ungesunde Kinderprodukte zu machen, sieht der Anwalt für Lebensmittelrecht als ausreichend an.

Diese Selbstverpflichtung der Nahrungsmittelindustrie ist in der sogenannten „EU-Pledge“ verankert. Für Alfred Hagen Meyer ist die Selbstverpflichtung der Industrie der Beweis, dass die Industrie dem Willen der Konsumenten nachkommt. Diese „Selbstverpflichtung“ der Industrie gehört aber zum Täuschungsmanöver der Nahrungsmittelindustrie.  

Im Übrigen ist Alfred Hagen Meyer, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), also der Gesellschaft, die in Insiderkreisen auch als Gesellschaft für Fehlernährung bekannt ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ist das Sprachrohr der Nahrungsmittelindustrie. Sie unterstützt die Zuckerindustrie mit Empfehlungen wie diese:

Zucker und Salz in Maßen. Verzehren Sie Zucker und Lebensmittel bzw. Getränke, die mit verschiedenen Zuckerarten (z.B. Glucosesirup) hergestellt wurden, nur gelegentlich. Würzen Sie kreativ mit Kräutern und Gewürzen und wenig Salz. Wenn Sie Salz verwenden, dann angereichert mit Jod und Fluorid.

Nahrungsmittel, die mit Glucosesirup – eine Fabrikzuckerart – oder anderen Fabrikzuckerarten  hergestellt sind, sollten weder in Maßen oder gelegentlich gegessen, sondern strikt gemieden werden! Jodiertes und Fluoridiertes Salz ist gesundheitsschädlich! Besonders auffällig bei den Veröffentlichungen der DGE ist, dass kritische Aussagen zum Thema Fabrikzucker  relativiert werden, weil es angeblich noch „offene Fragen“ dazu gibt.

Silke Schwartau, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg  kritisierte: Vor allem viele vermeintliche Kinderprodukte sind überzuckert. Die Selbstverpflichtung der Industrie ist ein Witz. Deshalb muss die Politik jetzt handeln. Wir brauchen eine Zuckersteuer und eine Lebensmittelampel.

Über eine (Fabrik)Zucker-Steuer kann diskutiert werden (wer soll davon profitieren?), aber mit einer „Lebensmittelampel“ ist es einfach nicht getan. Die „Lebensmittelampel“ kann das Verwirrspiel auf dem Sektor der Ernährung nicht beseitigen. Einzig und allein die „Kollath-Tabelle“ versetzt den Konsumenten in die Lage, die richtige Entscheidung zu treffen.

Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, unterstützte die Haltung der

Christian Schmidt Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft

Zuckerlobbyisten. Die Einführung von Strafsteuern auf „Lebensmittel“ sei der falsche Weg. Sein Ziel: Die Menschen von einem gesunden Lebensstil zu überzeugen nicht sie zu zwingen. Daher wäre ein Schulfach Ernährungskompetenz wichtig. Für den Landwirtschaftsminister gehören Zuckerprodukte zu den Grundnahrungsmitteln, die nicht mit Sondersteuern belegt werden sollten. („Es ist doch ein Unterschied, ob ich Fett oder Zucker habe, das jeder Mensch braucht“) Es ist ein Drama, dass ein Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft (Fabrik)Zuckerprodukte für Grundnahrungsmittel hält. (Fabrik)Zuckerprodukte sind Genussmittel mit Schadstoff- und Suchtcharakter.

Ein Minister, der nicht weiß, dass (Fabrik)Zuckerprodukte keine Lebensmittel, sondern stark entwertete und dadurch gesundheitsschädliche Nahrungsmittel sind, ist völlig ungeeignet, für ein Schulfach Ernährungskompetenz zu sorgen.

Denn: Zwischen Zucker, der in einem natürlichen Verbund im Lebensmittel steckt, und Fabrikzucker ist ernährungsphysiologisch zu unterscheiden. Natürlicher Zucker ist in sehr vielen Lebensmitteln enthalten, z.B. in Obst und Gemüsen. Der in Obst und Gemüse enthaltene natürliche Zuckeranteil ist ein natürlicher Bestandteil dieser Lebensmittel. Lebensmittel brauchen keine „Lebensmittelampel“. Lebensmittel in ihrer naturbelassenen Form bedürfen keiner besonderen Kennzeichnung. In Lebensmitteln ist kein Fabrikzucker enthalten. Der Industrie ist es bisher gelungen, Nahrungsmittel mit Lebensmitteln gleichzusetzen. Bei Nahrungsmitteln handelt es sich aber um entwertete Nahrung, die kein Mittel zum „Leben“ sind.

Ein Bundesminister, der in diesen Fragen keine Kompetenz besitzt, ist eine Fehlbesetzung!

 

Doch dann wurde vom Moderator Frank Plasberg die Frage aufgeworfen: Ist es eigentlich erwiesen, dass Zucker überhaupt krank macht? Kann man also sagen, so ab einer bestimmten Dosis muss ich damit genau rechnen, Diabetes und andere Erkrankungen zu bekommen?

Jetzt wurde es spannend. Würden die Forschungsergebnisse von Katase, Yudkin, Lutz, Dam, Cleave and Campbell, Bernásek, Sandler und Dr. Max Otto Bruker benamt, die seit Jahrzehnten belegen, dass die ernährungsbedingten Zivilisationserkrankungen wie Diabetes, Übergewicht, Herzinfarkt u.a. ursächlich in dem Verzehr von Fabrikzucker und Auszugsmehlen zu suchen sind?

Das Verwirrspiel (Fabrik)Zucker begann jetzt erst richtig. Moderator Frank Plasberg ließ Prof. Peter Stehle von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zu Wort kommen. Der behauptete doch glatt:

„Niemand kann sicher sagen, dass es der Zucker ist, der krank macht.“

Denn, so argumentierte er: Das Liefern von Belegen ist im Gegensatz zu medizinischen Studien in der Ernährungswissenschaft schwierig. Wir können ja nicht 1000 Menschen eine Generation lang gesund ernähren und weitere 1000 eine Generation lang ungesund, um zu sehen, wer krank wird und wer nicht.“

Für ihn sind mehr als 6 Mio. Menschen in Deutschland, die an Diabetes Typ 2 erkrankt sind, kein Beweis. Dass allein in den letzten 10 Jahren  die Anzahl der Betroffenen um 38 % gestiegen ist, wird nicht mit dem Konsum von fabrikzuckerhaltigen Nahrungsmitteln in Verbindung gebracht.

Sicherlich ist Frank Plasberg nicht entgangen, dass Prof. Peter Stehle nicht nur als Ernährungsphysiologe an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität tätig ist, sondern auch im Nestlé-Beirat mitmischt.

Hier wurde dem Publikum eine glaubwürdige Person offeriert, die aufgrund seiner Zugehörigkeit im Beirat von Nestlé mit wirtschaftlichen Interessen der Nahrungsmittelindustrie verflochten ist.

So ist auf der web-Seite von Nestlé zu lesen:

„Nur wenn die Ernährungsforschung direkt mit der Lebensmittelindustrie zusammenarbeitet und die aktuellen Forschungsergebnisse für die Umsetzung in die Praxis übersetzt, kann die Qualität der auf dem Markt befindlichen Lebensmittel und damit die Ernährung der Bevölkerung dauerhaft verbessert werden!“ (Prof. Peter Stehle)

Also nicht die Forschungsergebnisse von den Forschern, die sich ausgiebig mit den Auswirkungen von Fabrikzucker beschäftigt haben, wurden dem Millionenpublikum vorgestellt, sondern die Aussage von einem Wissenschaftler, der in den Diensten der Nahrungsmittelindustrie steht. Dabei haben die Forscher Katase, Yudkin, Lutz, Dam, Cleave and Campbell, Bernásek, Sandler und Dr. Max Otto Bruker  die Schädlichkeit von (Fabrik)Zucker vielfach belegt!

Frank Plasberg hat zugunsten der Zuckerindustrie eindeutig gegen journalistische Sorgfaltspflicht verstoßen. Seit Jahrzehnten gibt es genügend Literatur, die belegt, dass es sich beim Fabrikzucker um einen Schadstoff handelt.

Der Hinweis, dass Prof. Peter Stehle im Beirat des Nestlé-Konzerns sitzt, wurde dem Publikum vorenthalten. Die Frage, ob (Fabrik)Zucker krank macht, wurde in den Bereich der Ungewissheit geschoben. Frank Plasberg hat sich  am „Verwirrspiel (Fabrik)Zucker“ im Interesse der Zuckerindustrie beteiligt und hat sich als Komplize der Zuckerindustrie betätigt.  Frank Plasberg muss doch klar sein, dass die bezahlten Scharlatane aus der Industrie für den kritischen Teil der Bevölkerung ein rotes Tuch sind. Und es zeigt wieder einmal, dass die millionenschweren Werbeeinahmen der ARD einen höheren Stellenwert haben, als die Wahrheit.

Hätte nicht die Vertreterin der Verbraucherschutzzentrale, Silke Schwartau, die Aufgabe gehabt, alles richtig zu stellen? Hätte sie. Hat sie aber nicht. Sie sprach immer nur von „Zucker“, nicht von „Fabrikzucker“. Damit wurde ihre Anwesenheit auf eine „Alibi-Funktion“ reduziert.

Und Fernsehkoch Tim Mälzer? Auch er spielte beim Verwirrspiel (Fabrik)Zucker die ihm zugedachte Rolle. Es sollte doch vor dem Publikum wenigstens den Anschein haben, dass die Empörung auch ihren Stellenwert bei der Sendung hat. Ob ihm bewusst ist, dass er nur Mittel zum Zweck war?

Ein kurzer Hoffnungsschimmer entstand durch den Auftritt der TV-Moderatorin Anastasia Zampounidis. Sie lebt seit 10

Heft Der Gesundheitsberater Juni 2011

Jahren (fabrik)zuckerfrei und sagte: „Ich fühle mich seitdem besser, aktiver, würde sogar sagen, dass ich besser denken kann. Und Heißhungerattacken habe ich auch keine mehr. Die entstehen ja erst durch zuckerverseuchte Lebensmittel.“ Alle, die fabrikzuckerfrei leben, können die Erfahrungen von Anastasia Zampounidis bestätigen! Doch mit dem Auftritt von Anastasia Zampounidis wurden die Falschaussagen von Prof. Stehle nicht wirklich geheilt.

Mehr als 21 Mrd. Euro gibt die Zuckerindustrie für Lobbyarbeit in der EU aus (Deutsche Gesundheitsnachrichten DGN v. 15.08.2016). Mit der Sendung „hart aber fair“ v. 29.08.2016 durften wir GEZ-Gebührenzahler die Lügen der Zuckerindustrie finanzieren. Für die Zuckerindustrie ein profitables Geschäft.

Eigentlich könnte dieser Beitrag zu Ende sein. Wenn es nicht noch am 01. Nov. 2016 einen „Nachklapper“ zum Thema Zucker von foodwatch gegeben hätte. In der Veröffentlichung foodwatch wird die Informationspolitik der Bundesregierung zum Thema Zucker kritisiert. Doch diese Kritik lässt zu wünschen übrig.

foodwatch schreibt:

  1. Falsch ist: Der Mensch braucht Zucker als Lebensmittel

Das Ministerium erweckt den Eindruck, als gäbe es einen Bedarf an Zucker – so Minister Christian Schmidt („Es ist doch ein Unterschied, ob ich Fett oder Zucker habe, das jeder Mensch braucht“) oder der Parlamentarische Staatssekretär Peter Bleser („Bei Zucker handelt es sich um ein Lebensmittel, was Sie brauchen“).

Richtig ist: Es gibt keinen Bedarf, Zucker (d.h. Mono- und Disaccharide) als Lebensmittel aufzunehmen. Das menschliche Gehirn benötigt zwar etwa 130 Gramm Glucose (Traubenzucker) am Tag, der Körper ist jedoch in der Lage, diese Glucose aus Polysacchariden (Stärke) selbst aufzuspalten.

Hätte foodwatch den richtigen Begriff „Fabrikzucker“ anstelle von Zucker gesetzt, wäre schon einmal Eindeutigkeit hergestellt worden. Und wenn anstelle des Begriffs „Lebensmittel“ der Begriff  „Nahrungsmittel“ gewählt worden wäre, wäre offenkundig geworden, dass der wissenschaftlich fundierte Unterschied bekannt ist. Der in Klammern gesetzte Einschub „d.h. Mono- und Disaccharide“ und auch der zweite Satz zeigen weiterhin, dass es auch bei foodwatchlern an Wissen hapert.

 

„Nachklapper“ Nr. 1:

„Mit der größten Qualitätsoffensive für gesunde Ernährung in Kitas und Schulen, die es in Deutschland je gab, gebe ich

daher den Anstoß dafür die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) flächendeckend in Kitas und Schulen zu etablieren“, so Landwirtschaftsminister Christian Schmidt.

Mit den „Standards“ der DGE – wir kennen sie ja schon seit Jahren – „Zu viel, zu fett, zu süß, zu salzig“ wird die Ernährung nach den Maßgaben der Industrie beibehalten. Die Fehlernährung und ihre gesundheitlichen Folgen auch.

 

„Nachklapper“ Nr. 2:

Generische Aufklärungskampagne“ so heißt jetzt die Tarnen-und-Täuschen-Strategie der Zuckerindustrie. Mit im Boot sitzen die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), das International Life Science Institute (ILSI) und der Informationskreis für Mundhygiene (IME).

Pikant: Von den 21 Experten der EFSA haben 8 enge Verbindungen zur Nahrungsmittelindustrie: Coca Cola, Pepsico, Danone, Unilever, Valio, Nestlé, Senoble, Mondeléz, Master Foods, Kellogg’s, Arla, Danisco, Lantmännen. Der Interessenskonflikt wird von der EFSA einfach zurückgewiesen!

 

„Nachklapper“ Nr. 3:

Seit 2016 sind die Namen der Fälscher einer sogenannten „Meta-Studie“ bekannt. Es waren die Harvard-Professoren Mark Hegsted und Frederick Stare, die Mitte der sechziger Jahre im Auftrag der Zuckerindustrie den Fabrikzucker aus der Schusslinie genommen haben.  Es gelang, den Grundnährstoff Fett für Herzkreislaufprobleme verantwortlich zu machen. Das war dann der Startschuss für fettreduzierte Fabriknahrung, die besonders schwere Fälle von Übergewicht hervorrief.

 

Und die Moral von der Geschichte? Nicht nur beim Zweiten lügt sich’s besser.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

Marie-Luise Volk, Sprecherin der Bürgerinitiative „Bürger/innen sagen NEIN zur Agro-Gentechnik“ im Landkreis Cochem-Zell

 

Quellenangaben:

Bild ARD – Erstes Deutsches Wegsehen – Propagandaschau, Wilfried Kahrs, qpress

Foto „Schulstoff Dextro Energie“, priv. Marie-Luise Volk

Foto „Robby Bubble“, priv. Marie-Luise Volk

Foto „Nesquik“, priv. Marie-Luise Volk

Foto „Zuckertisch“, priv. Marie-Luise Volk

Foto  Cover Broschüre „Zucker in der Diskussion – Fragen und Antworten priv. Marie-Luise Volk

Die Ordnung unserer Nahrung nach Prof. Kollath by Andrea Dornisch, Gesundheitsberaterin GGB

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt, Foto/Grafik:  Metropolico.org, unveränderte Übernahme des Fotos, Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz unter Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0)

Buchcover „Pure white deadly“, John Yudkin

Foto Getränkedose „Mixery“, priv. Marie-Luise Volk

Texttafel Hanseatisches Oberlandesgericht  by Marie-Luise Volk

Buchcover „Zucker, Zucker“, Dr. med. Max Otto Bruker/Ilse Gutjahr, emu-Verlag

Bild „Das letzte – hart un fair“, Wilfried Kahrs, qpress

 

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